Leitung und Hilfe für die europäischen Opfer von Menschenhandel
(RAVOT- EUR)
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Für den bis zum 6. März 2013 befristeten Aufruf im Rahmen des Programms ISEC (Strafvorbeugung und Kampf gegen Kriminalität) der EU-Kommission mit dem Titel „Leitung und Hilfe für die europäischen Opfer von Menschenhandel“ (nachfolgend: RAVOT-EUR) bewarb sich das ungarische Innenministerium zusammen mit dem holländischen Ministerium für Sicherheit und Justiz und der belgischen Organisation Payoke vzw.

Die Kommission wertete den Antrag Ende 2013 positiv, sodass das Projekt am 1. Februar 2014 offiziell starten konnte, welches in den kommenden zwei Jahren bis zum 31. Januar 2016 übergreifende Lösungen für die durch den Menschenhandel verursachten Herausforderungen leisten möchte. Das Hauptziel des Projekts ist, dass den sexuell oder zu Arbeitszwecken ausgebeuteten Opfern bei ihrer Heimkehr und der gesellschaftlichen Rückintegration geholfen wird. Außerdem soll eine Online-Plattform gegründet und ein umfassendes Handbuch zu diesem Thema verfasst werden. Ein weiteres zentrales Element ist die Steigerung der Kooperation zwischen den vom Kampf gegen den Menschenhandel betroffenen Fachpersonen. Der Kostenhaushalt des Projekts beträgt 346.069,- Euro, von denen 311.462,- Euro vom ISEC-Programm der EU finanziert werden.

Die Hauptbemühung des Projekts ist die Ausgestaltung eines internationalen Opferzuweisungsmechanismus zwischen Ungarn, Belgien und Holland, der die sichere Heimkehr der sowohl anhand von Arbeit als auch anhand von sexuellen Zwecken Opfer von Menschenhandel gewordenen Menschen unterstützt und die Leitung dieser, bzw. den Ausbau von Kontakten und Vertrauen zwischen den nationalen Mechanismen der einzelnen Länder fördert. Zwei Partnerländer des durch Ungarn ins Leben gerufenen und geführten Projekts „RAVOT-EUR“, nämlich Belgien und die Niederlande sind die zwei Staaten, wo die ungarischen Opfer im Menschenhandel am häufigsten vorkommen, daher stand die Kooperation von Anfang an auf sicheren Beinen.Es ist wichtig zu erkennen, dass Menschenhandel eine schwere, die Menschenrechtsgesetze ignorierende internationale Straftat ist, gegen die man nur mit einer breitgedeckten internationalen Zusammenarbeit ankämpfen kann. RAVOT-EUR fördert ein größeres Vertrauen und ein besseres Verständnis zwischen den Ordnungsorganen, Behörden, Nichtregierungsorganisationen und allen sich mit den Opfern von Menschenhandel beschäftigenden Institutionen.

Das Ziel des Projekts ist die Bedürfnisse und Probleme der Opfer, sowie die Kapazität der Opferhilfedienste und des Netzes der Zivilorganisationen eindeutig und zugänglich zu machen. Im Rahmen des Projekts wurden ein Informationshandbuch und eine Webseite angefertigt, die die Identifizierung und Unterstützung des Opfers und die Zusammenarbeit der Sachverständigen fördern. Im Rahmen von RAVOT-EUR wurde ein neuer internationaler Opferzuweisungsmechanismus ermittelt und vervollkommnet, wodurch die Arbeit der Organisationen und der Betroffenen, bzw. die Reintegration der Opfer nachhaltig unterstützt werden können.Das strukturierte und einheitliche Opfer-Managementsystem hilft bei der sicheren Rückkehr der Opfer und trägt zur effektiven Arbeit der sich mit Opferhilfe beschäftigenden Organisationen bei.

Im Rahmen des Projekts wurden drei Expertensitzungen in den drei Partnerländern mit Einbeziehen von internationalen Experten anberaumt, bei denen die besten praktischen Lösungen und die verschiedenen Ansprüche, Bedingungen und Forderungen der Länder diskutiert wurden. Gleichzeitig zu den Expertensitzungen nahmen die Experten an Studienreisen teil, bei denen sie aus erster Hand Eindrücke über die Arbeit der ungarischen, holländischen und belgischen Behörden, das Niveau der angebotenen Dienstleistungen und die praktische Funktionsweise der Opferzuweisungsmechanismen erhalten konnten.

Unseren Hoffnungen zufolge werden das umfassende Informationshandbuch und der Online-Auftritt des Projekts die Nachhaltigkeit des RAVOT-EUR fördern, sowie die Transparenz und die notwendigen Mittel für die Experten und Opfer zur Kontaktpflege und den Zugang zu den wichtigsten Informationen gewährleisten.

 

Projekt „Schweizerisch-ungarische Zusammenarbeit für die Verweisung von Opfern des Menschenhandels“
BBA-5.4.2-16-2016-00001

Im Sinne des Projekts RAVOT-EUR führte die Regierung Ungarns innerhalb der nationalen Strategie (von 2013-2016) gegen den Menschenhandel die Erarbeitung und Entwicklung des schweizerisch-ungarischen Opferzuweisungsmechanismus, der den Teil des nationalen Arbeitsprogramms des Fonds für die innere Sicherheit  bildet. Nach der positiven Entscheidung der zuständigen Behörde begann das Projekt am 1. April 2017 mit einem Gesamtbudget von 14.100.930 HUF. Das Projekt wurde durch das Budapester Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in der Zusammenarbeit mit dem Ungarischen Innenministerium, der ungarischen Polizei, der Schweizerischen Bundespolizei (fedpol) und dem Berner Büro der IOM eingeleitet.

Gemäß EUROSTAT ist die Schweiz eine der wichtigsten Zielstationen hinsichtlich der ungarischen Opfer des Menschenhandels. Laut EUROSTAT steht die Schweiz zwischen 2010 und 2012 an vierter Stelle hinsichtlich der Anzahl der ungarischen Opfer . Der Bericht über Menschenhandel 2015 (TIP-Report) hebt hervor, dass neben den Niederlanden die Schweiz eine der wichtigsten Zielstationen hinsichtlich der ungarischen Opfer des Menschenhandels zum Zwecke des sexuellen Missbrauchs ist.  Nach den Statistiken der Ungarischen Polizei gehört die Schweiz zu den 6 wichtigsten Zielländern bezüglich der ungarischen Opfer des Menschenhandels. Nach den im Zusammenhang mit dem Menschenhandel gegebenen Antworten im zum umfassenden Bericht von 2016 des Büros der vereinigten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) nötigen Fragebogen des Ungarischen Innenministeriums war die Anzahl der vom Ausland zurückgekehrten, identifizierten ungarischen Opfer 2014 in der Schweiz am höchsten.

Im Projekt wurden die vorhandenen nationalen Koordinations- und Opferzuweisungsmechanismen überprüft, bzw. eine umfassende Datenbank über die Dienstleistungen und Dienstleister aufgestellt. Die Übungen für die Identifizierung, Umlenkung, Unterstützung und den Schutz der Opfer des Menschenhandels wurden in der Zusammenarbeit mit den zivilen und internationalen Organisationen des Herkunftslandes, d. h. Ungarn und des Ziellandes, d. h. der Schweiz zusammengestellt. Das Projekt erzielt, das gegenseitige Verstehen, die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen den Fachleuten auf verschiedenen Gebieten des Kampfes gegen den Menschenhandel zu fördern, sowie die Rahmen des schweizerisch-ungarischen internationalen Opferzuweisungsmechanismus zu gestalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, konnten die schweizerischen, bzw. ungarischen Fachleute, die durch die für die Tätigkeit gegen den Menschenhandel zuständigen Organisationen und Behörden delegiert wurden, in Ungarn und der Schweiz an Bildungsreisen teilnehmen. Die schon vorhandene Datenbank auf der Webseite von RAVOT-EUR wurde schon aufgrund des Informationsaustausches zwischen den Experten erweitert.