Wenn ein identifiziertes ungarisches Opfer nach Hause zurückkehren möchte, muss es wissen, welche Möglichkeiten ihm in Ungarn zustehen. Gemäß dem Gesetz CXXXV. von 2005 über die Unterstützung von Opfern der Straftaten und die staatliche Schadensminderung und der Regierungsverordnung Nr. 354/2012 (XII.13.) über das Vorgehen zur Identifizierung der Opfer von Menschenhandel sind die Opfer zu Informationen und Opferhilfsdienstleistungen berechtigt (zum Beispiel sofortige finanzielle Hilfe, psychologische und juristische Hilfe) und, wenn nötig, werden sie in geschützte Unterkünfte bzw. medizinische Versorgungseinrichtungen weitergeleitet. Die ungarischen Delegationen und Konsuldienste verfügen über Informationen zu den zahlreichen Formen finanzieller, juristischer und psychologischer Hilfsleistungen, über die Heimkehr, die wichtigsten Kontaktpersonen, usw.

Überblick über das ungarische Kinderschutzsystem

Kinder sind besonders ungeschützt, vor allem, wenn sie zu Opfern werden. Für Ungarn ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass es die Interessen und Rechte der Kinder schützt.

Gesetze:

  • Kinderschutzgesetz (Gesetz XXXI. von 1997 über den Schutz von Kindern und die Vormundschaftsverwaltung)
  • Regierungsverordnung Nr. 149/1997 (IX. 10.) über die Jugendämter, sowie Kindesschutz- und Vormundschaftsverfahren

Im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention (New York, 1989) ist es das primäre Ziel des Kinderschutzgesetzes (Gyvt.) die Rechte der Kinder unter 18 Jahren zu schützen.Zu den weiteren Zielen des Gesetzes gehört:

  • Schutz der Rechte und Geltendmachung der Interessen der Kinder
  • Unterstützung der Eltern bei der Erfüllung ihrer Pflichten
  • Vorbeugen vor einer Gefährdung der Kinder und deren Abwendung
  • Ersatz bei fehlender elterlicher Pflege
  • sowie Unterstützung bei der Integration der aus Kinderschutzeinrichtungen ins gesellschaftliche Leben eintretenden jungen Erwachsenen

Obwohl ein sehr wichtiger Teil des Gesetzes besagt, dass ein Kind nicht aus seiner Familie herausgenommen werden darf, wenn es nur aus finanziellen Gründen gefährdet ist und dass die Familie stattdessen dabei unterstützt werden soll, sich entsprechend um das Kind zu kümmern und die die Kinder gefährdenden Faktoren zu eliminieren, zeigen Forschungsergebnisse dennoch, dass die Armut der Eltern und die sich daraus ergebenden Probleme (Vernachlässigung, Alkoholismus, usw.) noch immer oft dazu führen, dass Kinder in Einrichtungen unterkommen.

Das Gesetz verfügt über das über allem stehende Interesse der Kinder

Das Kinderschutzgesetz bezieht sich auch auf:

  • Für sich in Ungarn aufhaltende Kinder, junge Erwachsene und ihre Eltern mit ungarischer Staatsbürgerschaft,
  • für Zugezogene, Eingewanderte, bzw. Zugelassene, im Weiteren für von den ungarischen Behörden als Flüchtlinge, unter Schutz Stehende, bzw. als Heimatlose anerkannte Kinder, junge Erwachsene und ihre Eltern,
  • für Asylrecht beantragende Minderjährige ohne Begleiter, mit Ausnahme der zum Zeitpunkt der massenhaften Einwanderung einen Antrag auf Anerkennung für das 14. Lebensjahr vollendete, doch das 18. Lebensjahr noch nicht vollendete Minderjährige stellende Minderjährige ohne Begleitung,
  • Personen mit Freizügigkeitsrecht, die über einen gemeldeten Aufenthaltsort verfügen und einen Aufenthalt für mehr als drei Monate angegeben haben
  • den Schutz der Kinder, die nicht ungarische Staatsbürger sind (temporäre Unterkunft, Festlegung eines Vormundes)
  • Magyarország területén kívül tartózkodó magyar állampolgárságú gyermek és fiatal felnőtt, valamint szülei gyámügyében, ha nemzetközi szerződés vagy más jogszabály szerint a személyes joguk az irányadó.

Das Kinderschutzgesetz trennt deutlich die amtliche Arbeit und die Dienstleistungen:

  • Die amtliche Arbeit wird durch das Jugendamt ausgeführt: 
    • Entscheidungen zum Schicksal des Kindes und der Familie - Herausnehmen aus der Familie
    • Festlegung eines Vormundes
    • Entscheidung über Adoption - (Arbeit des Notars, des Jugendamtes);
    • Unter Dienstleistungen werden die Dienstleistungen verstanden, die bedürftige Familie und Kinder in Anspruch nehmen können

Das Kinderschutzgesetz trennt auch hier zwei Bereiche der Dienstleistungen:

  • die jeder Familie zur Verfügung stehenden Kindeswohlgrundversorgungen,
  • und die die Pflege der aus ihren Familien herausgenommenen Kinder gewährleistenden fachlichen Kinderschutzversorgungen

Die Verwaltung des Kinderschutzsystems ist die Aufgabe des Staates und der kommunalen Selbstverwaltungen, wobei auch Zivilgesellschaften, kirchliche Organisationen und Einzelunternehmer daran teilnehmen.

Bis 2012 war das ungarische Kinderschutzsystem eine Verbindung aus gemeinschaftlicher und institutioneller Versorgung. Zur gemeinschaftlichen Versorgung zählten Familienhilfszentren, Kindeswohldienststellen, bzw. Kinderschutzabteilungen, sowie in der öffentlichen Verwaltung das Jugendamt. Die institutionelle Versorgung gewährleisteten Kinderschutzeinrichtungen, bzw. spezielle Heime für behinderte Kinder und Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten oder mentalen Problemen. Insgesamt bis 2012 wurde das ungarische Kinderschutzsystem von der Kinderschutzabteilung des für Sozialwesen verantwortlichen Staatssekretariats des Ministeriums für Humanressourcen geleitet und überwacht. Gleichzeitig durchläuft das ungarische Kinderschutzsystem anhand der Änderung des Gesetzes XXXI. von 1997 über den Schutz der Kinder und die Vormundschaftsverwaltung vom 8. Dezember 2012 eine Reformphase und zentralisiert sich, wodurch die Kinderschutz- und Sondereinrichtungen von den kommunalen Selbstverwaltungen weg unter staatliche Verwaltung gestellt werden. Für die Kinderschutzeinrichtungen entsteht eine neue nationale Behörde: Die Hauptverwaltung für Soziales und Kinderschutz. Während der zwischen 2012 und 2014 durchgeführten Reform geriet die Unterbringung der Kinder in adoptierenden Familien statt in Einrichtungen in den Vordergrund (besonders im Fall von 0-12 Jahre alten Kindern).

Die vom Kinderschutzsystem gewährten Dienstleistungen:

  • Geld- und Sachleistungen
  • Grundversorgung im Bereich Kindeswohl
  • professionelle Versorgung im Bereich Kinderschutz
  • amtliche/behördliche Arbeit
  • Versorgung von Jugendlichen in Besserungsanstalten

Der Schutz der Kinder wird durch Folgendes gewährleistet:

  • Geld- und Sachleistungen
  • Grundversorgungsdienstleistungen im Bereich Kindeswohl
  • professionelle Versorgungsdienstleistungen im Bereich Kinderschutz und Regelungsmaßnahmen in Bezug auf das Kinderschutzgesetz

Geld- und Sachleistungen

Ziel der Geld- und Sachleistungen ist, dass die finanzielle Gefährdung der Kinder verhindert und verringert wird und dass vermieden wird, dass ein Kind nur aufgrund der schlechten finanziellen Lage der Familie aus dieser herausgenommen wird:

  • Regelmäßiger Kinderschutzrabatt
  • Vergünstigtes Essensgeld (Verpflegung in den Einrichtungen - kostenlos oder vergünstigt)
  • Vorstrecken des Kindergeldes
  • Wohnungsbeihilfe
  • Schulmaterialienfinanzierung, Schulgeldbeihilfe, Krankenversicherungskosten, usw.

Eine detaillierte Auskunft zu den Geld- und Sachleistungen können die Kindeswohldienste des Bezirks, bzw. die von den Selbstverwaltungen betriebenen Sozialbüros geben.

Grundversorgung im Bereich Kindeswohl

Ziel der Grundversorgung im Bereich Kindeswohl ist, dass mit den Instrumenten der Sozialarbeit die körperliche, geistige, emotionale und moralische Entwicklung der Kinder, ihr Wohlbefinden, und ihre Erziehung innerhalb der Familie gefördert, einer Gefährdung vorgebeugt, eine bereits existierende Gefährdung beendet und die Inobhutnahme von Kindern aus ihren Familien heraus vermieden wird.  Diese Dienstleistungen sind auf freiwilliger Basis verfügbar.

Kindeswohldienste:

  • beobachten kontinuierlich die soziale Situation und die Gefährdung von Kindern in ihren Gemeinden
  • wie hören uns die Beschwerden der Kinder an und führen die zu deren Lösung notwendigen Maßnahmen durch,
  • Mitwirkung im Bereich Verpflegung durch in der zielgerichteten und kontrollierten Verteilung von fallweisen oder regelmäßigen in der Natur verfügbaren Zuschüssen,
  • unterstützt die Erfüllung der Kinderschutzaufgaben der Bildungs- und Erziehungseinrichtungen,
  • bereiten, wenn das Jugendamt über die Inobhutnahme eines Kindes entschieden hat, den Pflege- und Erziehungsplan des in Obhut genommenen Kindes vor und gewährleisten die verpflichtend in Anspruch zu nehmende Familienfürsorge
  • Betrieb eines Gefährdungen wahrnehmenden und signalisierenden Systems, Förderung der Teilnahme von nichtstaatlichen Organen, sowie Privatpersonen am Präventionssystem,
  • Unterstützung, Hilfe und Beratung, sowie Vermittlung von sozialen Dienstleistungen und Kindesschutzgrundversorgungen, besonders der temporären Unterbringung für Familien für sich in Krisensituationen befindlichen Schwangere,
  • durch die soziale Arbeit mit dem Kind und seiner Familie (nachfolgend: soziale Hilfsarbeit), um die Probleme des Kindes zu lösen, die in der Familie vorhandenen Funktionsstörungen auszubalancieren,
  • organisieren ein elterliches Ersatznetzwerk und führen Register über die elterlichen Ersatzplätze
  • nimmt an Arbeit des in einer separaten Rechtsvorschrift definierten Drogenvermittlungsforums teil
  • untersuchen und ermessen den Anfragen von regionalen Kinderschutzdiensten entsprechend die Umstände der in Frage kommenden Adoptionseltern
  • bieten durch Familienversorgung Hilfe für die schnellstmögliche Rückkehr der Kinder in das Elternhaus.

Sie führen Straßensozialarbeit aus, um ausgerissene Kinder aufzufinden und deren Freizeit sinnvoll zu gestalten, sie organisieren verschiedene Beratungen und helfen bei der Erledigung von Amtsgängen.

Die Krankensozialarbeit basiert auf der Zusammenarbeit von den regional zuständigen Krankenhäusern, zum Beispiel kann diese bei Krisen im Bereich Geburt oder bei Kindesmissbrauch eine effektive Hilfe darstellen.

Die Dienstleistungen des Kindeswohldienstes sind kostenlos.

Die Tagesbetreuung der Kinder

Die Versorgung der Kinder, ihre Tagesbetreuung und -pflege, sowie Erziehung muss für Kinder organisiert werden, deren Eltern oder gesetzliche Vormunde nicht für eine Tagesbetreuung sorgen können. Zu diesen Versorgungseinrichtungen gehören die Krippe, die Tagesmutter, die familiäre Kinderbetreuung und die häusliche Kinderbetreuung.

Krippen sind die Tagesbetreuung und -erziehung von Kindern unter 3 Jahren gewährleistende Einrichtungen. Sollte ein Kind das dritte Lebensjahr erreichen, aber aufgrund seiner körperlichen, bzw. geistigen Entwicklung noch nicht reif für den Kindergarten sein, kann es bis zum 31. August nach dem 4. Geburtstag in der Krippe bleiben.

Im Rahmen der Kleinkind- (Krippen-) Versorgung kann die Erziehung und die Pflege von Kindern mit besonderen Erziehungsansprüchen, sowie von Kindern, die zu einer frühzeitigen Förderung und Pflege berechtigt sind, erfolgen. Sie können bis zum 31. August des Jahres, in dem sie das sechste Lebensjahr vollenden, zu einer Kleinkindversorgung berechtigt sein.

Die Hauptaufgabe der Tagesbetreuung von Kindern ist, dass die in Familien großwerdenden, nicht in Krippen oder Kindergärten gehenden Kinder, Schulkinder außerhalb der Schulzeit bzw. Kinder, die eine Tagesbetreuung durch die Schule oder den Hort nicht in Anspruch nehmen, tagsüber betreut werden.

Temporäre Betreuung von Kindern

Im Rahmen der temporären Kinderbetreuung muss sich um eine die körperliche, geistige, emotionale und moralische Entwicklung der Kinder fördernde Betreuung und Versorgung, Erziehung, sowie Wohnsituation gekümmert werden, wenn die Eltern dies aufgrund ihrer medizinischen Umstände, ihrer Lebensführungsprobleme, einer begründeten Abwesenheit oder aufgrund anderer Hindernisse nicht ermöglichen können.

Die Inanspruchnahme von einer temporären Betreuung von Kindern gewährleistenden Hilfen (Ersatzeltern, Übergangsheime für Kinder, Übergangswohnungen für Familien) kann nur ohne behördliche Maßnahmen und ausschließlich auf Antrag der Eltern oder deren Zustimmung erfolgen und diese Art der Betreuung beeinflusst nicht das Sorgerecht der Eltern.

Die temporäre Betreuung kann andauern, so lang die dieser zugrunde liegende Ursache besteht, doch höchstens 12 Monate in Anspruch nehmen.

Über die Möglichkeiten der temporären Betreuung können die Kindeswohldienste des Bezirks konkrete Auskünfte vermitteln.

Pflegeeltern

Pflegeeltern nehmen übergangsweise oder langfristig in ihrem eigenen Haushalt Kinder und Jugendliche auf und versorgen diese allumfassend. Pflegeeltern sind Ersatzeltern, spezielle Pflegeeltern und besondere Pflegeeltern. In einer Ersatzfamilie können höchstens vier Kinder unterkommen - darunter auch die eigenen Kinder der Ersatzfamilie. Die Ersatzeltern erhalten für die Versorgung des Kindes Erziehungsgeld und separate Versorgungsgüter. Das Ersatzelternnetzwerk wird vom Kindeswohldienst oder von Zivilgesellschaften betrieben.

Temporäres Kinderheim

In temporären Kinderheimen können Kinder aus Familien untergebracht werden, die übergangsweise ohne Versorgung und Betreuung geblieben sind oder die ohne eine Unterbringung ohne diese bleiben würden, sowie Kinder, deren Versorgung aufgrund von Lebensführungsschwierigkeiten der Familie gefährdet ist.

Das temporäre Kinderheim bietet - in Zusammenarbeit mit dem Kindeswohldienst - Hilfe bei der Rückkehr der Kinder in ihre Familien. Es wird ähnlich wie ein Kinderheim betrieben. Die Kinder leben in Gruppen, in denen jeweils höchstens 12 Kinder untergebracht sind. Die Betreuung und Erziehung erfolgt durch geschulte Erzieher, Betreuer, sowie Kinderschutzassistenten.

Temporäres Familienheim

Ziel der von temporären Familienheimen angebotenen Dienstleistungen ist, dass sie in Abhängigkeit von der Bedürftigkeit der Familien diese in der Kindererziehung unterstützen, damit das Kind / die Kinder und die Eltern nicht einmal für diesen Zeitraum voneinander getrennt werden müssen.   Ziel der Einrichtung ist die Hilfe und Unterstützung der temporär oder dauerhaft ohne Zuhause verbliebenen Familien, damit sie weiterhin als Familien leben, Kraft sammeln und sich wieder stärken können. Auch die Familien erhalten Unterstützung, die als Familie noch nie zusammen gelebt haben oder die für kürzere oder längere Zeit getrennt leben müssen, damit sie im Rahmen der Familienvereinigung die Möglichkeit zum Ausprobieren und Umsetzen der im Zusammenleben steckenden Kraftressourcen erhalten. Bei Bedarf nimmt das temporäre Familienheim die aus verschiedenen Gründen ohne Zuhause gebliebenen alleinerziehenden Eltern mit ihren Eltern oder aus ihrem Zuhause fliehende Eltern mit ihrem Kind auf.

Als Krisenzentrum kann ausschließlich das temporäre Zuhause der Familien gelten. Das Krisenzentrum nimmt die wegen Gewalt in der Familie und/oder Misshandlung in einer Krisensituation befindliche Person und ihr Kind auf.

Professionelle Versorgung im Bereich Kinderschutz

Das Kinderschutzsystem hat zweierlei Ziele: Einerseits hilft es den in Familien lebenden Kindern durch die von den örtlichen Selbstverwaltungen organisierte Kindeswohlversorgung bei deren Entwicklung, bzw. spielt es eine Rolle bei der Vorbeugung und der Handhabung von Gefährdungssituationen der Kinder, zum anderen gewährleistet es Kindern, die aus irgendeinem Grund nicht in ihren Familien groß werden können, eine die Familie ersetzende Betreuung. Dies garantiert eine dem Alter der Kinder entsprechende Erziehung und dient als Basis für die gesellschaftliche Integration der Kinder.

Gemäß dem Gesetz XXXI. von 1997 über den Kinderschutz und die Vormundschaftsverwaltung muss im Rahmen der Kindesschutzversorgung die Heimversorgung der mit temporärer Genehmigung untergebrachten, in die Erziehung genommenen Kinder, die weiterführende Nachbetreuung der jungen Erwachsenen, sowie die aus anderen Gründen eine fachliche Versorgung beanspruchenden Kinder allumfassend gewährleistet sein. Die in Kinderheimen gebotenen Dienstleistungen haben das Ziel, allumfassende Dienstleistungen der Kinder und jungen Erwachsenen, Familienfürsorge und Nachbetreuung zu gewährleisten.

Aufgabe der Kinderschutzversorgung ist es, die Persönlichkeit des Kindes zu ermessen, Pflegeeltern oder Kinderheime auszuwählen, ein Ersatzelternnetzwerk zu betreiben und technische Vorbereitungen für Adoptionen für die temporär untergebrachten oder in Erziehung genommenen Kinder durchzuführen. Der Kinderschutzdienst bereit als Vormund der temporär untergebrachten oder in Erziehung genommenen Kinder deren individuellen Pflege- und Erziehungsplan vor und gewährleistet Familienfürsorge und Nachbetreuung für die Kinder, damit diese in ihre Familien zurückkehren und ein erfülltes Leben leben können.

 Die persönliche Pflege bezieht sich auf Folgendes:

  • ein Zuhause bietende Versorgung
  • Nachbetreuung
  • regionale Fachdienstleistungen des Kinderschutzes

 Kinderschutzeinrichtungen versehen folgende Aufgaben:

  • allumfassende Versorgung der 0-18-jährigen, temporär untergebrachten oder in Erziehung genommenen Kinder, deren gesetzliche Vertretung, ihre Versorgung und Erziehung anhand ihrer Bedürfnisse, die Durchsetzung ihrer Schulpflicht, die Förderung einer selbstständigen Lebensführung,
  • die Nachbetreuung von in Kinderschutzbetreuung erwachsen gewordenen jungen Erwachsenen (im Alter von 18-25), die Nachbetreuung anhand der Anordnungen des Jugendamtes.
Ein Zuhause bietende Versorgung

Die ein Zuhause bietende Versorgung umfasst an sich die vollständige Versorgung des untergebrachten Kindes (Ernährung, Versorgung mit Kleidung, medizinische Versorgung, Pflege-Erziehung, Bildung, Wohnung); den Erhalt der familiären Beziehungen und die eine Rückkehr nach Hause fördernde Familienfürsorge - oder, wenn das nicht möglich ist, das Vorantreiben einer Adoption, sowie die notwendige Nachbetreuung für eine Reintegration und ein selbstständiges Leben.

 Für die Inanspruchnahme von ein Zuhause bietenden Leistungen ist eine behördliche Maßnahme notwendig, die bei einer temporären Unterbringung und einer dauerhaften Erziehung vom Jugendamt des Bezirks und bei einer temporären Unterbringung von der im Kinderschutzgesetz vorgeschriebenen Behörde festgelegt wird.  

Die Empfehlung für die Unterbringung des Kindes wird anhand eines Gutachtens vom regionalen Jugendschutzdienst angefertigt.

Eine besondere Versorgung muss bei Langzeitkranken, bzw. behinderten, sowie Kindern unter 3 Jahren gewährleistet werden (besondere Bedürfnisse).

Eine spezielle Versorgung muss bei schweren Persönlichkeits- und psychischen Störungen, bei schweren Anpassungsstörungen oder bei ein antisoziales Verhalten an den Tag legenden Kindern, außerdem bei Kindern, die mit Alkohol, Drogen und anderen psychoaktiven Substanzen kämpfen und süchtigen Kindern gewährleistet werden (spezielle Bedürfnisse).

Die beiden möglichen Formen der ein Zuhause bietenden Versorgung sind die Betreuung durch Pflegeeltern und die Unterbringung in einem Kinderheim.

Eine der effektivsten Formen der Kinderschutzfürsorge ist die Versorgung durch Pflegeeltern. Die Zahl der bei Pflegeeltern untergebrachten Kinder wächst langsam, aber stetig seit 1995. Ein wichtiges Ziel ist die Verbesserung des Pflegeelternnetzwerks mit besonderem Blick auf die Dienstleistungen der Pflegeeltern, damit auch problematische, besondere Dienstleistungen bedürfende, in das System in einem höheren Alter eintretende Kinder untergebracht werden können.

Die Handhabung der Anpassungs-, bzw. Verhaltens- und Sozialisierungsprobleme der 14-18-Jährigen stellen eine große Herausforderung in der Grund- und Fachversorgung dar. Das momentane Kinderschutzprogramm bietet diesen Kindern keine geeigneten Unterstützungen und Dienstleistungen. Wenn das Kind in einem höheren Alter in das System gelangt, ist es wahrscheinlich, dass die in seiner Familie seit langem ungelösten Probleme ungelöst bleiben, was auch die Effektivität der Kinderschutzdienstleistungen mindert.

Auch für die Wohnprobleme der ihr Zuhause verlassenden jungen Erwachsenen und die grundsätzlichen Bedingungen der gesellschaftlichen Integration, sowie der Arbeit ist es schwer Lösungen zu finden. Wichtig ist, dass alternative Bildungsmöglichkeiten gefunden werden, die den Jugendlichen zu einer günstigeren Situation auf dem Arbeitskräftemarkt verhelfen. Die Nachbetreuung kann ein effektives Mittel sein und sie stellt nicht nur die Verlängerung der Zeit vor der Abwendung von Fürsorge dar.

Kinderheim

Ein Kinderheim ist eine mit ununterbrochener Arbeitszeitregelung funktionierende Wohneinrichtung für Kinder, die für die der Fürsorge unterstellten Kinder Grundtätigkeiten für eine Wohnversorgung und für junge Erwachsene Nachbetreuung gewährleistet, sowie je nach Bedarf externe Plätze unterhält.

Kinderheime müssen mindestens 12 und höchstens 48 Kinder aufnehmen können. In Kinderheimen leben die Kinder in Gruppen, die aus höchstens 12 Personen bestehen dürfen.

Die Betreuung-Erziehung wird durch eine Arbeitsgruppe von geschulten Erziehern, Betreuern und Kinderschutzassistenten gewährleistet. Außer ihnen gibt es in jedem Kinderheim eine Familienfürsorge und Nachbetreuung, sowie Psychologen und Förderpädagogen.

Versorgung in einem Wohnheim

Bei einem Wohnheim handelt es sich um eine besondere Form des Kinderheims, in dem höchstens 12 Kinder in eigenständigen Wohnungen oder Familienhäusern in familiärer Atmosphäre untergebracht werden. Das pädagogische Ziel dieser Form von Unterkunft ist, dass die Kinder lernen, selbstständig einen Haushalt zu führen. Das Erzieherteam von Wohnheimen beschäftigt sich mit den dort untergebrachten Kindern.

Die spezielle Betreuung umfasst eine an das Alter, den Zustand und die Bedürfnisse der Kinder angepasste Bildung, Fachausbildung, Beschäftigung, Pflege, Sozialisierung und Resozialisierung, sowie Habilitation und Rehabilitation.

Mutter-Kind-Unterkünfte

Kinderheime können auch das sein Zuhause verlorene Elternteil des Kindes, sowie in sozialen Krisen befindliche Schwangere aufnehmen. Das Ziel ist der Erhalt und die Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung bis zu einem Grad, an dem beide zusammen aus dem Heim in eine stabile Umgebung austreten können. Wichtig ist auch, dass die Mütter während dieser Zeit lernen und wenn möglich eine Ausbildung abschließen, von der sie später auch selbstständig mit ihrem Kind leben können.

Besonderes Kinderheim (Säuglingsheim)

Ein besonderes Kinderheim gewährleistet die Versorgung von 0-3 Jahre alten, besondere Bedürfnisse habende Säuglinge und Kleinkinder.

Spezielles Kinderheim

Das spezielle Kinderheim leistet bei schweren psychischen oder dissozialen Symptomen, bzw. bei psychoaktive Substanzen verwendenden und zweierlei Bedürfnisse habenden Kindern Versorgung, Sozialisierung und Resozialisierung, sowie Habilitation und Rehabilitation. 

Nachbetreuung

Bei der Nachbetreuung handelt es sich um die Ausgangsphase der Kinderschutzversorgung, die nach dem Eintritt ins Erwachsenenalter der Schützlinge im Alter von 18-21 Jahren (und bei Schülern in Tagesschulen im Alter von 18-25 Jahren) gewährleistet werden kann. Zur Nachbetreuung ist der junge Erwachsene berechtigt, der seine Kosten nicht über seinen Lohn decken kann oder an Tagesschulen (Mittelschulen oder Hochschulen) lernt oder der auf eine Unterbringung in einem Sozialwohnheim wartet.

Im Rahmen der Nachbetreuung muss der jungen Erwachsenen Hilfe zum Start in ein selbstständiges Leben und zur Gewährleistung der Bedingungen für die Sicherstellung des Unterhalts geleistet werden. Ihre Betreuung kann in Pflegefamilien oder in Einrichtungen erfolgen: In Nachbetreuungsheimen, in Kinderheimen geschaffenen, sogenannten Nachbetreuungsgruppen oder auf integrierte Weise in Minderjährige betreuenden Gruppen. Ziel der Nachbetreuung ist die Stärkung der Fähigkeiten und Fertigkeiten der an der Versorgung teilhabenden jungen Erwachsenen, die sie für die Gestaltung eines selbstständigen Lebens und dessen Erhalt, die Fähigkeit für das eigene Schicksal Verantwortung zu übernehmen, sowie die Erwachsenenrolle zu akzeptieren und langfristige, erfolgreiche gesellschaftliche Integration zu erleben, benötigen.

Kinderschutzversorgung / Behördliche Maßnahmen

Inobhutnahme

Wenn die Eltern (oder ein anderer Vormund) die Gefährdung des Kindes nicht mithilfe der freiwilligen Inanspruchnahme der Grundversorgungen aufheben kann (oder will), man jedoch vermutet, dass - mit Hilfe - dennoch die Entwicklung des Kindes in familiärer Umgebung gewährleistet werden kann, dann wird das Kind vom Jugendamt in Obhut genommen. Das Jugendamt überprüft von Amts wegen mindestens jährlich die Rechtfertigung der Maßnahme. Bei einer Inobhutnahme bleibt den Eltern das Sorgerecht erhalten.

Aufnahme in Familien

Das Jugendamt kann auf Antrag des Sorgerecht innehabenden Elternteils dazu zustimmen, dass - sollte die Maßnahme im Interesse des Kindes sein - das Kind für die notwendige Zeit temporär von einer anderen, von den Eltern benannten Familie aufgenommen, betreut und erzogen wird, wenn dies aufgrund des gesundheitlichen Zustands, der Abwesenheit der Eltern oder anderer familiärer Gründe notwendig ist. Das Sorgerecht der Eltern wird nur für den Zeitraum der Aufnahme in einer Familie unterbrochen.

Temporäre Unterbringung

Zu dieser Maßnahme kommt es dann, wenn das Kind ohne Aufsicht bleibt oder wenn seine körperliche, geistige, emotionale und moralische Entwicklung durch die familiäre Situation oder durch sich selbst stark gefährdet ist und dies eine sofortige Unterbringung notwendig macht.

Temporäre oder dauerhafte Inobhutnahme

Das Jugendamt ordnet dann eine Inobhutnahme an, wenn die Entwicklung des Kindes durch die familiäre Umgebung gefährdet ist und diese Gefährdung nicht mit den im Rahmen der Grundversorgung gewährleisteten Dienstleistungen, sowie der Inschutznahme beendet werden konnte oder sich davon kein Ergebnis erhofft wird, sowie dann, wenn für das Kind eine entsprechende Betreuung innerhalb der Familie nicht gewährleistet ist. Dies geschieht auch dann, wenn das Sorgerecht eines oder beider Elternteile durch einen gerichtlichen Beschluss aberkannt worden war, wenn ein oder beide Elternteile verstorben sind und es keine anderen Elternteile mit Sorgerecht für das Kind gibt und wenn die Eltern des Kindes unbekannt sind. Dann entscheidet das Jugendamt auch über die Ernennung eines Vormunds.

Erziehungsaufsicht

Wenn das temporär untergebrachte oder in Obhut genommene Kind aufgrund seines gesundheitlichen oder psychischen Zustands seine oder die Gesundheit anderer gefährdet und dieses Verhalten nur durch eine sofortige, in geschlossenem Rahmen erfolgende Aufsicht behoben werden kann, kann der Leiter des speziellen Kinderheims die persönliche Freiheit des Kindes einschränken.

Schutzunterkünfte in Ungarn

Die Opfer von Menschenhandel werden momentan von drei Zivilgesellschaften in Schutzunterkünften untergebracht: Der Stiftung Eine Chance für Familien 2005 (Lehetőség Családoknak 2005 Alapítvány), der Ungarischen Baptisten-Diakonie (MBSz), sowie der ungarischen Stiftung Unbenannte Wege (Névtelen Utak Alapítvány).

Die Stiftung Eine Chance für Familien 2005 betreibt zwei geheime Übergangsunterkünfte, die bedürftigen Frauen, Männern und Kindern bereitstehen. Die Übergangsunterkünfte werden staatlich finanziert, doch auch die Stiftungsgelder sind wichtig, damit die Einrichtungen arbeiten können (das erste wurde 2011 und das zweite 2015 eröffnet). Die Unterkünfte befinden sich zwei Stunden von Budapest entfernt in Nordwestungarn. Das Personal der Unterkünfte besteht jeweils aus einem Sozialarbeiter, einem Pfleger, einem Psychologen und einem Juristen.

Übergangsunterkunft Nr. 1: „Die Einrichtung ist in einem relativ großen Gebäude untergebracht, in dem bis zu 125 gleichzeitig wohnen können (auch Opfer von Missbrauch innerhalb der Familie). Das Gebäude ist mit Überwachungskameras ausgestattet und steht bei Bedarf in direkter Verbindung zur Polizei. Ein getrennter Bereich des Gebäudes wurde direkt für die Opfer von Menschenhandel errichtet und bietet mit mehreren Schlafzimmern und Badezimmern, einer Küche und einem Gemeinschaftsraum Platz für 8-12 Personen. Die Übergangsunterkunft verfügt über einen großen Garten, in dem sich ein Spielplatz für Kinder befindet. Außerdem gibt es eine Küche und eine Werkstatt, in der die Bewohner ihre Fertigkeiten trainieren können.

Übergangsunterkunft Nr. 2: Die Einrichtung verfügt über 7 Zimmer, drei Badezimmer, eine Küche, sowie einen gepflegten Hof. Hier können kontinuierlich Opfer von Menschenhandel aufgenommen werden, wobei es sich dabei um alleinstehende Frauen, Männer, aber auch um ganze Familien handeln kann, die Opfer von Ausbeutung zu Arbeitszwecken und/oder Prostitution geworden sind. In der Übergangsunterkunft Nr. 2 stehen ein Sozialmanager, ein Sozialarbeiter, ein Jurist und ein Psychologe zur Verfügung, außerdem können bei Bedarf weitere Fachpersonen in die Reintegration der Opfer einbezogen werden.

Es ist vorgekommen, dass auch ausländische Opfer in der Übergangsunterkunft aufgenommen wurden. Die Stiftung verfügt über Kontakte zu ausländischen Schutzunterkünften und die ungarischen Opfer können direkt von einer Unterkunft in die andere weitergeleitet werden. In Übergangsunterkünften werden meist keine Kinderopfer untergebracht, doch wohnte hier bereits ein 17-jähriges, sexuell missbrauchtes Opfer für den Zeitraum des Ermittlungsverfahrens. Die Unterkunft nahm bisher sehr wenige Männer auf (zwei Opfer von sexueller Ausbeutung und einige Opfer von Arbeitsausbeutung). Die Stiftung plant eine getrennte Schutzunterkunft für die Unterbringung männlicher Opfer.“

Das Ministerium für Humanressourcen unterstütz die Stiftung in der Betreibung der Übergangsunterkünfte. Die Übergangsunterkünfte können 8-12 Menschen für eine Dauer von 90 Tagen aufnehmen. Der Aufenthalt kann einmal per Antrag um 90 Tage verlängert werden, anschließend kann das Opfer in einem Asylhaus als Zwischenstation untergebracht oder in anderen formellen Rahmen betreut werden.

Dienstleistungen der Schutzunterkunft:

  • Sichere Unterbringung für 2 x 90 Tage
  • Essen, Kleidung, hygienische Ausstattung, Dienstleistungen in Bezug auf Mentalhygiene (Versorgung nach Bedarf)
  • Interessenvertretung (zum Beispiel Hilfe bei der Erledigung von Amtsgängen)
  • Verfügbarkeit des für die Klärung der Situation der Versorgten notwendigen Stabs (Sozialarbeiter, Sozialassistenten, Psychologen, psychologische Fachberater, Psychiater, Rechtsanwalt, medizinische Hilfe)

Beide Einrichtungen sind über die Nationale Krisen- und Informations-Hotline erreichbar: +36 80 20 55 20

Das Diakoniewerk der Baptisten betreibt seit 2005 Schutzunterkünfte für die Opfer von Menschenhandel, die aus Privatspenden und EU-Projektressourcen finanziert werden. Das Diakoniewerk der Baptisten unterhält drei geschützte Unterkünfte an verschiedenen Orten im Land und außerdem steht für Opfer ein Krisenzimmer in Budapest zur Verfügung.

Das Krisenzimmer ermöglicht gleichzeitig eine mehrtägige Unterbringung für ein weibliches oder ein männliches Opfer. Das Ziel der kurzzeitigen Unterbringung im Krisenzimmer ist, dass das Opfer und die zuerst mit diesem in Kontakt tretende Hilfsperson die Risiken ermessen und die auftretenden Bedürfnisse auswerten können, bevor die Person in ein den Reintegrationsprozess und eine langfristige Unterbringung ermöglichendes Schutzhaus vermittelt wird. Das Krisenzimmer befindet sich außerhalb von Budapest an einer geheimen Adresse und ist mit Überwachungskameras als Teil eines größeren Komplexes ausgestattet.

Das für sechs Personen Platz bietende Schutzhaus der Baptistendiakonie befindet sich zwei Stunden von Budapest entfernt. In diesem Familienhaus mit Garten können bis zu sechs erwachsene Frauen untergebracht werden, auch zusammen mit ihren Kindern. Für den Aufenthalt gibt es keine vorgeschrieben längste Dauer, die Opfer bleiben durchschnittlich anderthalb Jahre dort. „Bei ihrer Anreise werden sie ärztlich untersucht, wobei festgestellt wird, welche Versorgung sie benötigen und welche psychologische Hilfe ihnen angeboten wird. Jedes Opfer nimmt an einem individuellen Rehabilitationsprogramm teil. Die Diakonie des Baptistenordens hat den Berichten zufolge zur Erleichterung der Reintegration der Opfer eine gute Beziehung zu den kommunalen Beschäftigungsstellen und den Bildungszentren aufgebaut. Das Haus ist mit Überwachungskameras ausgestattet und wenn nötig kann auch die örtliche Polizei einschreiten. Sollte dies begründet sein, erhalten die Opfer in den ersten Wochen ihres Aufenthalts Begleitung jedes Mal, wenn sie das Haus verlassen.

Auch ein anderes, sich ebenfalls 2 Stunden von Budapest befindliches Schutzhaus steht zur Unterkunft von weiblichen Opfern zur Verfügung, die nicht die gleiche Schutzstufe beantragen. Dieses Haus kann höchstens 12 Frauen mit ihren Kindern zusammen aufnehmen; mehr als die Hälfte von ihnen ist meistens Opfer von Menschenhandel. Die Opfer werden bei ihrer Ankunft medizinisch untersucht und erhalten während ihres Aufenthalts psychologische Betreuung. Die Kompetenzförderung ist individuell angepasst und sie dürfen auch Teamarbeit leisten, was ihnen bei der Arbeitssuche nützlich sein kann und ihnen bei der Reintegration förderlich ist.

Das dritte Schutzhaus befindet sich eine Stunde von Budapest entfernt und kann sechs weibliche Opfer aufnehmen. Die Opfer können mit ihren Kindern eintreffen und erhalten den gleichen Schutz und die gleichen Rehabilitations-, Reintegrationshilfen, wie sie auch in den anderen beiden Schutzhäusern zur Verfügung stehen.

In jedem der Schutzhäuser ist die Integration der Opfer in Bildung und Arbeit von besonderer Bedeutung. Für die Finanzierung der Bildungsgebühren werden stets Ressourcen aufdeckende Tätigkeiten durchgeführt.

Als wichtig gilt die therapieartigen Angebote an den Schutzorten, deren Ziel es ist, die Opfer für den offenen Arbeitskräftemarkt zugänglich zu machen und die für das Finden und das Behalten von Arbeitsplätzen notwendigen Kompetenzen zu fördern. Dazu wurde eine handwerkliche Werkstatt in einem der Schutzhäuser aus Schweizer Hilfsgeldern eingerichtet.

In Einzelfällen kann das Diakoniewerk der Baptisten auch die männlichen Opfer von Menschenhandel unterbringen.

Die Organisation kann dann Opfer im Kindes- und Jugendalter aufnehmen, wenn sie zusammen mit einer das Sorgerecht innehabenden verwandten Person untergebracht werden können.

Das Diakoniewerk beschäftigt sich nur in Ausnahmefällen mit Staatsbürgern aus Drittländern oder Kinderopfern, wenn diese von den Behörden als temporäre Lösung an dieses weitergeleitet werden.

Meistens vermitteln folgende Organisationen die Opfer an das Diakoniewerk der Baptisten: IOM (bei aus dem Ausland wieder nach Ungarn zurückkehrenden Opfern), Polizei, zivile Organisationen der Zielländer, die nationale Baptistenkirche, Schulen und Versammlungen, Sozial-, Familien- und Kinderschutzinstitutionen. 

Das Schutzhaus der Stiftung Unbenannte Wege (Névtelen Utak Alapítvány) bietet sechs Frauen und Kindern Unterkunft, vor allem den Opfern von Prostitution und/oder sexueller Ausbeutung. Es ist sehr wichtig, dass die Opfer rechtzeitig effektive Hilfe bekommen, damit sie ihre verlorenen Fähigkeiten, ihre emotionale Stabilität, sowie ihre wirtschaftlichen und gesetzlich gesicherten Rechte zurückbekommen.

Die Stiftung Unbenannte Wege hilft diesen Frauen mit kurzen, mittellangen und langfristigen Rehabilitationsprogrammen und Schulungen im Bereich Lebensführung dabei ein neues Leben zu beginnen, ihre Lebensqualität zu verbessern und ihre Rechte zu schützen, wobei die Teilnahme an diesen Programmen freiwillig ist und auf Kooperation basiert.

Rehabilitationsprogramme der Schutzunterkünfte

In den Schutzunterkünften der Stiftung Eine Chance für Familien 2005 (Lehetőség Családoknak 2005 Alapítvány) bekommen die Opfer psychologische Beratung und je nach Bedarf einen medizinischen Fachangestellten zur Seite gestellt. Sie können einen neuen Beruf erlernen, damit sie ein neues, selbstständiges Leben beginnen können.

Die Baptisten-Diakonie Ungarns (Magyar Baptista Szeretetszolgáltat) gewährt in seinen Unterkünften individuell angepasste direkte (psychosoziale, medizinische und juristische) und soziale Unterstützung, damit der Rehabilitationsprozess der Opfer gefördert wird.

Dies umfasst Folgendes:

  • Beratung und Informieren zu medizinischen, sozialen, Kinderschutz und Kindeswohldienstleistungen 
  • Organisieren der täglichen Tätigkeiten
  • Hilfe bei der aktiven (und sinnvollen) Organisation von Freizeit
  • Rehabilitationsstrategien, Medikamente
  • Gründung von Freizeit- und Selbsthilfegruppen, Förderung der Organisierung von Unterstützungsnetzwerken
  • Einführung der Opfer in die Bildung, Fachausbildung; Kompetenz- und Fähigkeitsentwicklung
  • Hilfe der Opfer bei der Arbeitssuche, Beratung in Bezug auf Stellenmöglichkeiten
  • Möglichkeiten und Zugang zu weiteren Beschäftigungen
  • Hilfe beim selbstständigen Wohnen

Die Stiftung Unbenannte Wege bietet verschiedene Programme für die Opfer an: Tagesprogramme bzw. Aufenthaltsprogramme (kurze, mittel- und langfristige Rehabilitationsprogramme, Lebensführungsausbildung). Das heutige Programm im Schulzentrum (ASK Schulzentrum) findet jeden Wochentag ab 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr in einem anderen Stadtteil als der des Schutzhauses statt. Auf diese Weise müssen die Teilnehmer jeden Tag in das Schulzentrum fahren, was an sich eine Vorbereitung auf das Leben als Werktätige ist (rechtzeitig aufstehen, die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisieren, tägliche Routine aufstellen, usw.)

Reintegrationsprogramm

Die Stiftung Unbenannte Wege (Névtelen Utak Alapítvány) wendet bei ihrer Arbeit zur Änderung der Situation und des Schicksals der in die Zielgruppe der Stiftung gehörenden Frauen das Franchise-Programm „Servants Anonymous Foundation“ an. Die Servants Anonymous Foundation (SA) arbeitet seit 1989 auf internationaler Ebene. Das Modell des SA-Programms bietet ein langfristiges Programm (3-7 Jahre) für die zu Opfern von Menschenhandel und/oder sexueller Ausbeutung gewordenen jungen Frauen (zwischen 16-29 Jahre, Ausnahmen kommen vor) und ihren Kindern. In den einzelnen Phasen des Programms kommt es zu einer immer größeren Selbstständigkeit.

Schritte und Inhalt des SA-Programms bei der Stiftung Unbenannte Wege:

ASK-Lernzentrum - I. Phase Rehabilitationsprogramm

Mit Beginn des Wohnprogramms werden die Teilnehmer Mitglieder des ASK-Lernzentrums und nehmen somit von Montag bis Freitag zwischen 10 und 16 Uhr an Stunden teil. In der I. Phase des Programms spielt der Rehabilitationsstundenplan eine zentrale Rolle. Ziel des Programms ist, dass die Opfer erfolgreich:

  • die in der Vergangenheit erfahrene Misshandlung aufarbeiten
  • sich mit aktueller Sucht beschäftigen
  • es lernen gesunde Beziehungen aufzubauen
  • ihre Gefühle gesund und effektiv handhaben zu können
  • die eigene Lebensqualität verbessern können
  • Fertigkeiten entwickeln, damit sie selbst für ihr Vorankommen im Leben etwas tun können
  • ein Selbstwertgefühl entwickeln
  • eine positive Elternrolle erlernen, damit die Wiederholung von Missbrauch im Leben ihrer Kinder unterbrochen wird
  • ihren Bildungsstand erweitern

Das wird dadurch erreicht, dass sie sich den Stoff des Rehabilitationslehrplans in kurzen, interaktiven Stunden bzw. auf Freizeit- und Studienausflügen aneignen. Für die Dauer des Tagesprogramms können die Teilnehmer ihre Kinder in dem vor Ort befindlichen Elternhilfszentrum unterbringen. Die Phase dauert ca. 9-12 Monate.

Während der II. Phase - der Vorbereitung auf das weiterführende Programm - erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit zu Praktika an verschiedenen Arbeitsplätzen, damit sie erkennen können, anhand welcher ihrer Fähigkeiten sie für welche Gebiete geeignet sind, bzw. auf welchen Gebieten sie an einer Schulung oder Ausbildung teilnehmen würden.

ASK-Lernzentrum - die II. Phase: Das weiterführende Programm

Das weiterführende Programm beginnt für die Teilnahme nach dem Abschluss des wichtigsten Rehabilitationslehrplans. Diese Phase dauert meist 18 Monate und das Hauptaugenmerk liegt auf der Stärkung der beruflichen Fertigkeiten und dem Abschluss der Mittelschule. Die Teilnehmer lernen anhand eines individuellen Lehrplans, in den auch die verstärkte Vorbereitung für das Arbeitsleben integriert ist und welcher mit schulischen Vorortprogrammen die finanzielle Organisation, Führungsfertigkeiten und die Ausgestaltung von gesunden Beziehungen im weiteren Umfeld fördert, damit der Austritt aus dem Programm reibungslos verläuft. Das Ausgangsziel des weiterführenden Programms ist, dass die Teilnehmer dazu fähig sind eine neue Karriere zu beginnen und von Sozialleistungen unabhängig werden. Während des weiterführenden Programms verlassen die Teilnehmer die primäre Unterkunft und sind dazu berechtigt, die Übergangsunterkunft zu unterstützen. Fallweise kann hier auch die Unterstützung von Kindern in Form von Tagesbetreuung stattfinden.

ANMERKUNG: Ein spezielles weiterführendes Programm steht den Teilnehmern zur Verfügung, vor denen sich auf dem Arbeitsmarkt bzw. im Bereich der Bildung sehr hohe Hindernisse türmen, zum Beispiel bei Menschen, die mit Lernschwierigkeiten kämpfen, ausgesprochen ungebildet sind, körperliche/geistige Probleme haben, sprachliche Schwierigkeiten haben, usw.

Bezahlbare Übergangsunterkunft

In dieser Phase verlassen die Teilnehmer die primäre Unterbringung und ziehen in eine sich in ihrer eigenen Gemeinde befindliche Wohnung. Die SA Foundation bietet finanzielle Unterstützung für die Miete, die von der Sozialhilfe nicht abgedeckt ist. In dieser Phase erhalten die Teilnehmer individuelle Unterstützung durch einen Helfer, damit sie Probleme des Übergangs bewältigen und außerdem an der II. Phase des ASK-Lernzentrums, dem speziellen weiterführenden Programm teilnehmen. Das Elternhilfszentrum ist in dieser Phase ebenfalls kostenlos. Die Förderung der Übergangsunterkunft läuft meist für 18 Monate.

Bezahlbare langfristige Unterkunft

Auf dieser Stufe des Programms arbeiten die Teilnehmer entweder voll angestellt in der Gemeinde oder sie kehren in die Schule zurück. Die SA Foundation gewährleistet fallweise finanzielle Unterstützung zur Deckung der Wohn- bzw. Bildungskosten.

Nachbetreuung

Das Nachbetreuungsprogramm steht jedem, das Programm absolvierten Teilnehmer zu und gewährleistet eine Versorgung, die notwendig ist, damit die Teilnehmer in ihrem weiteren Umfeld erfolgreich sein werden. Sie erhalten auch weiterhin Einladungen zu den Veranstaltungen, auch eine individuelle Versorgung ist möglich, bzw. besteht auch die Möglichkeit, Stunden zu geben / die neuen Teilnehmer des Programms zu unterstützen. Die Dauer des Nachbetreuungsprogramms hängt davon ab, wie lang der Teilnehmer diese Art der erweiterten Unterstützung beansprucht.