Als derzeitige internationale Definition des Menschenhandels gilt folgendes gemäß dem Übereinkommen der Vereinigten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (Übereinkommen von Palermo, 2000), insbesondere gemäß Art. 3 des Anhangs II zum Protokoll über Vorbeugung, Zurückdrängung und Bestrafung[1] des Frauen- und Kinderhandels:   

(1) Der „Menschenhandel“ bedeutet die Anwerbung, Beförderung, Vermarktung, das Verstecken oder die Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit,

oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Die Ausbeutung soll mindestens folgendes umfassen: die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder der Sklaverei ähnelnde Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen.

Die derzeit übliche europäische Definition des Menschenhandels wurde gemäß Art. 2. Abs 1 der EU-Richtlinie von 2011/36 festgesetzt:

„Die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen, einschließlich der Übergabe oder Übernahme der Kontrolle über diese Personen, durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderer Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Schutzbedürftigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die die Kontrolle über eine andere Person hat, zum Zwecke der Ausbeutung.“

Gemäß Art.2. Abs. 2 und 3 der EU-Richtlinie von 2011/36 wurden zwei Hauptmerkmale der Gefährdung und Ausbeutung   festgesetzt:

(2) „Eine besondere Schutzbedürftigkeit liegt vor, wenn die betreffende Person keine wirkliche oder für sie annehmbare andere Möglichkeit hat, als sich dem Missbrauch zu beugen.“; und

(3) „Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder erzwungene Dienstleistungen, einschließlich Betteltätigkeiten, Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Ausnutzung strafbarer Handlungen oder die Organentnahme.“ 

Fakten und Irrtümer in Verbindung mit Menschenhandel

1. Irrtum:

Menschenschmuggel und Menschenhandel sind das Gleiche.

Fakt:

Der Menschenschmuggel ist eine solche Straftat, wenn eine Person dazu verhilft wird, ein Land illegal zu betreten oder dort aufzuhalten, wo er/sie weder Staatsbürger(in) noch Einwohner(in) ist, damit der Täter zum geldlichen oder sonstigen finanziellen Vorteil kommt. Die eingeschleuste Person stimmte dem Menschenschmuggel zu, aber der Opfer des Menschenhandels trug nie dazu bei, oder wenn ja, seine Zustimmung verlor den Sinn wegen der Nötigung, Täuschung oder Misshandlung des Menschenhändlers/der Menschenhändler.   Der Menschenschmuggel endet im Allgemeinen dort, wenn die gegebene Person im Zielland ankommt, aber zum Menschenhandel gehört die Ausbeutung des Opfers – was das tatsächliche Ziel der Straftat ist – entweder in der Zielstation oder schon im Laufe der Beförderung. Ferner ist der Menschenschmuggel eine grenzüberschreitende Tat, während der Menschenhandel auch auf dem eigenen Gebiet eines Staats stattfinden kann. Die zwei Typen dieser Straftat sind miteinander verknüpft, weil die der eingeschleusten Person gewährten Dienstleistung leicht in eine ausbeutende Situation umwandeln kann.

2. Irrtum:

In der Europäischen Union gibt es keinen Menschenhandel.

Fakt:

Die Mitgliedländer der Europäischen Union, besonders die Staaten der nordwestlichen Region sind Zielländer des Menschenhandels, weil diese dank ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage interessant sind, während die Quellenländer die ärmeren Länder von Ost- und Südeuropa sind.

3. Irrtum:

Ziel des Menschenhandels ist immer die sexuelle Ausbeutung der Opfer.

Fakt:

Bei 70% der Menschenhandelsopfer in Europa ist sexuelle Ausbeutung das Ziel. Diese Zahl kann aber ungenau sein, weil die meist geprüfte Form des Menschenhandels die sexuelle Ausbeutung ist, deshalb lassen sich diese Fälle häufiger identifizieren, als die Ausbeutung wegen Beschäftigung oder der wegen anderer Ziele erfolgte Menschenhandel.  Der Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung wegen Beschäftigung kommt im Agrarsektor und im Sozialhilfesektor, in der Baubranche, im Textilsektor und Gastgewerbe, bzw. auf dem Gebiet der Fischerei öfter vor. Die anderen Formen der Ausbeutung sind außerdem das Zwangsbetteln, die zwangsweise Hausarbeit, der Betrug mit den Beihilfen, die allgemeine kriminelle Tätigkeit und Entnahme von menschlichen Organen.

4. Irrtum:

Bei den Opfern handelt es sich ausschließlich um Frauen.

Fakt:

Obwohl etwa 70 Prozent der identifizierten Opfer Frauen sind, fallen auch Männer zum Opfer der Menschenhändler, die Form der Ausbeutung ist jedoch in diesen Fällen typischerweise verschieden. 

5. Irrtum:

Die Opfern sind ausschließlich Ausländer.

Fakt:

Obwohl viele Opfer Ausländer sind, sind 43 Prozent der identifizierten Opfer Staatsbürger des Landes, wo die Ausbeutung stattfindet.  Man muss aber bemerken, dass der Anteil des inländischen und grenzüberschreitenden Menschenhandels je nach Land unterschiedlich ist.

6. Irrtum:

Alle Opfer sind mittellos und arm.

Fakt:

Die Opfer von Menschenhandel können nicht anhand eines einzigen Profils charakterisiert werden; sie können aus allen möglichen demografischen Gruppen stammen. Armut und Mittellosigkeit führen zu Ausgeliefertsein, was wiederum dazu führen kann Opfer zu werden, bzw. die Wahrscheinlichkeit dafür wird höher. Ein anderer wichtiger Einfluss ist Krieg, der Menschen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten zur Flucht zwingt und somit das Ausgeliefertsein erhöht. Oft handelt es sich nicht um einen einzige Grund, denn die meisten Faktoren gehen mit anderen Umständen wie Druck durch Partner oder Familie einher.

7. Irrtum:

Alle Opfer werden entführt oder zur Ortsveränderung gezwungen.

Fakt:

Sehr wenige Opfer werden entführt, obwohl einige Opfer von Anfang an mit Gewalt zur Arbeit gezwungen sind, beginnen andere freiwillig zu arbeiten, aber sie werden doch mit falschen Versprechungen reingelegt. Die Opfer sind manchmal bewusst, welche Arbeit sie verrichten sollen, aber sie werden hinsichtlich der Arbeitsverhältnisse betrogen, daher wissen sie auch nicht, dass sie ausgebeutet werden.

8. Irrtum:

Opfer und Täter können eindeutig unterschieden werden.

Fakt:

Es gibt Situationen, in denen es dazu kommen kann, dass diese Rollen getauscht werden. Es gibt zahlreiche Beispiele, wenn der Opfer schließlich auf einmal zum Opfer und Verbrecher wurde. Eindeutige Beispiele finden wir im Bereich der sexuellen Ausbeutung. Ein junges Mädchen wird nach Holland gebracht, wo sie zu Prostitution gezwungen wird. Nach einer Weile begleitet er andere Opfer, und bekommt als das ältere Mitglied Privilegien gegenüber anderen. Eines dieser Vorrechte ist, dass sie nicht mehr zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen wird, sondern als Stellvertreter der Ausbeuter fungiert. Die Beförderung geht damit einher, dass sie dazu gezwungen wird, an dem Beginn und dem Aufrechthalten der Zwangsprostitution anderer Frauen teilzunehmen. Interessant ist, dass die Zahl der weiblichen Täter im Menschenhandel steigt.

9. Irrtum:

Alle Opfer halten sich für Opfer, deshalb bitten sie um Hilfe, wenn sie in der Lage sind.

Fakt:

Nicht alle Opfer halten sich für richtige Opfer. Es kommt vor, dass der Opfer die ausgebeutete Situation für besser hält, als diejenige, wenn er noch nicht ausgebeutet war. Einige werden reingelegt, dass sie aus freiem Willen entschieden, unter Ausbeutung zu arbeiten, während andere wegen familienbezogener Umstände oder Schulden in der ausgebeuteten Lage bleiben.

10. Irrtum

Die Opfer kennen die Menschenhändler nicht, die ihre Opfer durch Menschenraub gewinnen.

Fakt:

Die Opfer kennen sehr häufig die Menschenhändler, die Verwandte, Freunde, Partner oder Freunde von Verwandten sein können. Auch Familienmitglieder können ihre Verwandten in eine ausbeutende Situation zwingen, für Geld oder für andere Vorteile oder weil die Menschenhändler die vorhandenen familiären Machtverhältnisse und Hilflosigkeit dafür ausnutzen, neue Opfer zu finden.